DkW | Kapitel 1: Kräfte sammeln

DkW | Anhang 1: Die Urabstimmung

Sven Zemanek hat an der Uni Bonn fünf Jahre lang Wahlen zum Studierendenparlament organisiert. Damit nachfolgende Generationen von dieser Erfahrung profitieren können, entsteht die Artikelserie „Die kleine Wahlleiter“.

Als sei dieser ganze Wahlen-Kram nicht schon aufwändig genug, gibt es da auch noch Urabstimmungen. Einen großen Vorteil haben Urabstimmungen gegenüber der Studierendenparlamentswahl: Es gibt keine Kandidierenden, die dumme Dinge tun können.

Bei einer Urabstimmung wird allen abstimmungsberechtigten Studierenden eine Ja/Nein-Frage vorgelegt, die sie mit „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ beantworten dürfen. Stimmen mindestens 20 % aller abstimmungsberechtigten Studierenden mit „Ja“, ist das Ergebnis bindend für die Organe der Studierendenschaft. Andernfalls1 hat man lediglich eine teure Umfrage durchgeführt. Wobei „teuer“ relativ ist: Bei der gemeinsamen Durchführung der Urabstimmung mit einer Studierendenparlamentswahl entstehen geschätzte Mehrkosten von 2000 €2.

Urabstimmungsverlangen oder SP-Beschluss?

Wer die Durchführung einer Urabstimmung erzwingen möchte, muss dafür die Namen, Matrikelnummern und Unterschriften von fünf Prozent der Mitglieder der Studierendenschaft sammeln und dem Studierendenparlament einreichen. Das setzt dann einen Urabstimmungsausschuss ein, der diese Unterschriften prüft. Im Idealfall existiert bereits ein Wahlausschuss, der laut Satzung der Studierendenschaft die Aufgaben des Urabstimmungsausschusses übernimmt. Nur diesen Fall betrachten wir hier, eine von der SP-Wahl getrennte Urabstimmung will eigentlich niemand und wäre auch für alle von uns Neuland.

Zur Prüfung besorgt der Urabstimmungsausschuss sich ein Verzeichnis aller aktuellen Mitglieder der Studierendenschaft3 und sucht darin alle Personen auf den Unterschriftenlisten. Hierbei empfiehlt es sich, zunächst ein digitales Abbild jeder Unterschriftenliste zu erstellen und am Ende noch die Duplikate zu filtern. Zahlreiche Personen werden nicht (mehr) auffindbar sein, diese wurden als ungültig gewertet. Viele Personen werden auf der Unterschriftenliste auch nur so ähnlich zu finden sein wie im Datenbestand der Universität, da sind dann Einzelfallentscheidungen des Urabstimmungsausschusses gefragt. Dieser Artikel enthält noch ein paar Details zur Unterschriftenprüfung 2016.

Im Idealfall haben die Einreichenden die Schwelle von fünf Prozent deutlich übertroffen, der Ausschuss erteilt ihnen hierüber einen Bescheid und beginnt mit den weiteren Vorbereitungen. Falls die Schwelle nicht erreicht wurde, regelt die Satzung der Studierendenschaft (§ 15), dass auch hierüber ein Bescheid erteilt und eine Nachbesserungsfrist „von bis zu vier Wochen ab Zugang des Bescheides“ gesetzt wird. Das wird höchstwahrscheinlich Terminprobleme mit sich bringen. Niemand will das, weswegen wir an dieser Stelle auch diskret den Mantel des Schweigens über dieses Szenario ausbreiten wollen.

Die Alternative zum Sammeln von Unterschriften erscheint sehr viel einfacher: Man lässt das Studierendenparlament mit Zweidrittelmehrheit die Durchführung einer Urabstimmung beschließen. Fertig! Keine Unterschriften prüfen, keine Nachfristen, einfach nur das Patschehändchen heben.

Wahlausschreibung

Obwohl es nicht explizit gefordert ist, empfiehlt es sich, in die Wahlausschreibung direkt den Hinweis aufzunehmen, dass gemeinsam mit der Studierendenparlamentswahl eine Urabstimmung durchgeführt wird. Damit alle Bescheid wissen. Alle lesen schließlich die Wahlausschreibung, gell?

Urabstimmungsbenachrichtigung

Überhaupt regelt die Satzung der Studierendenschaft relativ wenig in Bezug auf die Durchführung der Urabstimmung explizit. Was sie aber regelt, ist der Versand der Urabstimmungsbenachrichtigung.

[Der Urabstimmungsausschuss] veranlasst, dass alle Studierenden eine Urabstimmungsbenachrichtigung erhalten, die den Termin der Urabstimmung und den Wortlaut des abzustimmenden Antrags enthält.

Man kann natürlich die Universität bitten, allen Studierenden einen Brief nach Hause zu senden. Der Versand einer E-Mail an alle Studierenden erscheint jedoch sehr viel kostengünstiger und ist daher zu bevorzugen.

Den Versand dieser E-Mail kann nur die Universitätsverwaltung ermöglichen. Doch Vorsicht! In der Vergangenheit gab es um den Versand dieser E-Mail großen Knatsch. Daher ist frühe Kontaktaufnahme mit der Universitätsverwaltung bezüglich dieses Themas dringend empfohlen.

Stimmzettel

Zum Stimmzettel für eine Urabstimmung kennt die Satzung der Studierendenschaft in § 15 sogar zwei Vorschriften:

(7) Abgestimmt wird mit Ja, Nein und Enthaltung.

(8) Der Antrag wird auf dem Abstimmungszettel abgedruckt. Bei längeren Anträgen genügt es, wenn der Antrag an der Abstimmungskabine zur Einsicht ausliegt und die Fragestellung auf dem Abstimmungszettel eindeutig ist.

Der Antragstext lässt sich praktischerweise 1:1 aus dem Urabstimmungsverlangen bzw. dem Beschluss des Studierendenparlaments kopieren. Er darf vom Wahlausschuss offensichtlich nicht im geringsten modifiziert werden – alle Tipp- und Grammatikfehler wandern direkt mit auf den Stimmzettel. Die dummen Sprüche deswegen müsst ihr euch dann aber trotzdem anhören, da führt kein Weg dran vorbei.

DkW | Anhang 1: Die Urabstimmung

Der Stimmzettel zum fzs-Austritt 2016. Bei Beschwerden zur tendenziösen Fragestellung hieß es: Lächeln und winken.

Vom Papierformat her dürfte DIN-A5 ausreichend sein. Kleineres Papier wird schnell unhandlich.

Der Urabstimmungsstimmzettel sollte natürlich nicht die gleiche Farbe haben wie ein Gremienstimmzettel. Und im Idealfall hat er auch eine andere Farbe als die Studierendenparlamentsstimmzettel. Da beide Stimmzettel in die gleichen Urnen geworfen werden, erleichtert das hinterher das sortieren. Vermutlich läuft es dann darauf hinaus, dass der Urabstimmungsstimmzettel auf weißes Papier gedruckt wird. Hat ja auch mal was.

Belehrung + Urnenbuch

Die Wahlhelfenden müssen bei ihrer Belehrung auch aufgeklärt werden, dass es dieses Jahr einen Stimmzettel mehr gibt und dass dieser immer zusammen mit dem Studierendenparlamentsstimmzettel ausgegeben und eingeworfen werden muss. Außerdem enthält das Urnenbuch zusätzlich je Stimmzettel eine Spalte, in die ein Kreuzchen gemacht wird, wenn die wählende Person den Stimmzettel erhalten hat – manche wollen ja keinen oder ausschließlich den Urabstimmungszettel haben. Gelocht wird der Studierendenausweis so oder so, und wer einmal für das Studierendenparlament und/oder die Urabstimmung abgestimmt hat, darf in diesem Jahr auch nicht noch einmal.

Ob die Umschläge mit den Urabstimmungszetteln auch unbedingt bei jedem Öffnen und schließen gezählt werden müssen… Ich persönlich meine: Nein. Mein Wahlausschuss sah das 2016 anders. Macht das, wie ihr meint. Aber macht es einheitlich.

Wahlbeteiligungszwischenstandsbekanntgabe

Was für ein Wort. Die Wahlordnung sieht in § 24 Abs. 4 vor, dass die Wahlleiterin nach jedem Wahltag die aktuelle Wahlbeteiligungsschätzung bekannt gibt. Wenn parallel eine Urabstimmung durchgeführt wird, darf das jedoch nur am ersten und zweiten Wahltag passieren! Ein Kompromiss, um die Beteiligung und somit das Erreichen des Quorums nicht zu verfälschen, falls etwa das Quorum vor dem letzten Wahltag demotivierend weit weg liegen sollte oder ggf. doch noch jede Stimme zählt, um das Quorum noch zu erreichen.

Auszählung

Die Wahl ist durchgeführt, fleißige Wahlberechtigte haben gewählt und die vollen Urnen möchten ausgezählt werden. Hier gibt es großes Potenzial, Fehler zu machen. Macht nicht die selben Fehler wie wir 2016. Daher folgende Empfehlungen:

  • Abhängig von der Abstimmungsfrage kann es sein, dass die Wahlbeteiligung sprunghaft ansteigt. Plant mehr Auszählhilfen ein! (Wenn der Platz dafür überhaupt reicht.)
  • Trennt bei Öffnung jeder Urne die Urabstimmungszettel von den Studierendenparlamentszetteln, verpackt sie handlich und legt sie unsortiert beiseite4. Im Wahlschrank gab es mal nummerierte Baumwolltaschen, die würden sich hierfür perfekt eignen.
  • Falls nach Auszählung der Studierendenparlamentsstimmzettel noch Zeit und Motivation da ist, lasst die Urabstimmungszettel sortieren und zählen. Das sollte aber keinesfalls die Auszählung der Studierendenparlamentswahl beeinträchtigen.
  • Legt bereits vorab einen Ersatztermin für die Fortsetzung der Auszählung fest, falls es nach ein Uhr wird und ihr die Auszählung unterbrechen wollt.

Ergebnis

Für die Bekanntgabe des Urabstimmungsergebnisses kennt die Satzung der Studierendenschaft keine explizite Vorschrift. Wir haben 2016 einfach alle Zahlen die wir hatten in ein Dokument gegossen, das so ähnlich aussah wie das Wahlergebnis, und das veröffentlicht.

Toi, toi, toi!

  1. das heißt, im Normalfall
  2. Folgende Überschlagsrechnung: 1000 € zusätzlich für den Wahlausschuss, ein paar hundert Euro für den Druck der Urabstimmungsstimmzettel und ein paar Wahlzeitungsseiten mehr, ein paar hundert Euro mehr für Auszählhilfen
  3. Bei der Urabstimmung 2016 wurde als Stichtag der Einreichungstag genommen, aber das ist nirgendwo explizit festgelegt.
  4. Natürlich nicht unbeaufsichtigt lassen, gell.
DkW | Kapitel 1: Kräfte sammeln

DkW | Kapitel 12: Der Abschluss

Sven Zemanek hat an der Uni Bonn fünf Jahre lang Wahlen zum Studierendenparlament organisiert. Damit nachfolgende Generationen von dieser Erfahrung profitieren können, entsteht die Artikelserie „Die kleine Wahlleiter“.

Die Auszählung ist abgeschlossen und man fällt nachts um halb vier erschöpft ins Bett. Am nächsten Tag ist allerdings noch ein bisschen was zu tun: Das Ergebnis der Auszählung will in ein vorläufiges amtliches Endergebnis umgewandelt und vom Wahlausschuss per Beschluss festgestellt werden.

Dabei steht man ein klein wenig unter Zeitdruck:

(4) Spätestens eine Woche nach Wahl der SP-Mitglieder tritt das neue SP zusammen.
§ 6 SdS

Und:

(1) Das neu gewählte Studierendenparlament (SP) wird zu seiner ersten Sitzung von der Wahlleiterin einberufen. Die Einberufung erfolgt an dem Tag, an dem die Stimmauszählung beendet wird. Abweichend von § 10 Abs. 1 beträgt die Ladungsfrist 5 Kalendertage, wenn der Termin zuvor in der Bekanntmachung der Wahlbewerbungen gemäß § 12 der Wahlordnung für die Wahlen zum Studierendenparlament angekündigt wurde.
§ 1 GOSP

Hat man also (wie üblich) den Mittwoch nach der Wahlwoche als Termin für die konstituierende Sitzung des neu gewählten Studierendenparlaments angekündigt, so muss die Einladung bereits am Tag nach der Auszählung (Freitag) raus1. Eine etwas unglückliche Regelung: Was ist, wenn die Auszählung mal ein paar Tage länger dauert? Den Termin einfach eine Woche nach hinten verschieben geht laut Satzung offenbar nicht. Da die Einladung an die gewählten SP-Mitglieder gesendet wird, benötigt man auch bereits am Freitag ein vom Wahlausschuss festgestelltes vorläufiges amtliches Endergebnis, in dem steht, wer eigentlich gewählt ist. Also hopp hopp, es gilt, keine Zeit zu verlieren!

Einschub: Sicherlich kann man sich über diverse Formulierungen in Satzung und Geschäftsordnung sowie über die generelle Gültigkeit der Geschäftsordnung für das neue SP streiten. Welchen Zeitpunkt beispielsweise bezeichnet die „Wahl der SP-Mitglieder“ – sind sie gewählt, wenn das letzte Wahllokal geschlossen hat, oder erst wenn ein Endergebnis feststeht? Sofern alle notwendigen Schritte am Freitag vollzogen werden, muss man sich darüber jedoch keine Gedanken machen.

Wo waren wir? Ach ja: Eile. Als Ergebnis der Auszählung haben wir einen Haufen Zahlen. Zunächst wird geprüft, ob ein Sitz zwischen zwei Listen gelost werden muss. Falls dies der Fall ist, wird das auf der Wahlausschusssitzung vor Feststellung des Endergebnisses erledigt. Die Ergebnisse möchten außerdem in ein ansprechendes Layout verpackt werden. Wie so oft bietet es sich an, das vorläufige amtliche Endergebnis des Vorjahres anzupassen. Obacht: Die Vorjahresergebnisse müssen gegebenenfalls noch mit Änderungen aus dem Wahlprüfungsverfahren des Vorjahres aktualisiert werden. Ob das der Fall ist, erfährt man aus den Protokollen der Studierendenparlamentssitzungen.

Ist das Dokument fertig, kann es auf einer Wahlausschusssitzung beschlossen werden2. Drei Exemplare werden von den Wahlausschussmitgliedern unterschrieben und dem AStA-Vorsitz, dem Ältestenrat und dem neuen Präsidium des Studierendenparlaments zugeleitet (§ 24 Abs. 2 WOSP). Das Ergebnis wird außerdem auf der Wahlen-Webseite als PDF-Dokument veröffentlicht und in einer Auflage von ca. 1000 Stück gedruckt und durch den AStA verteilt.

Aus dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erfahren die gewählten neuen SP-Mitglieder möglicherweise auch erstmals, dass sie gewählt sind. Wenn sie schnell sind. Denn direkt im Anschluss an die Sitzung sollte die Wahlleitung die Einladung zur konstituierenden Sitzung des Studierendenparlaments verschicken. Die Tagesordnung war üblicherweise bereits Teil der Wahlzeitung und kann 1:1 wiederverwendet werden.

Neben den üblichen Verdächtigen (AStA-Vorsitz, IT-Referat, Ältestenrat) wird die Einladung natürlich auch an die frisch gewählten Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder versendet. Die E-Mail-Adressen dieser Menschen entnimmt der Wahlausschuss den Kandidaturen3. Beim Versand der E-Mail ist darauf zu achten, die E-Mail-Adressen der Mitglieder und stv. Mitglieder im BCC zu halten, sonst könnt ihr euch direkt auf Beschwerden gefasst machen.

Beim Versand wird sich der E-Mail-Server der Universität ggf. über nicht existente E-Mail-Konten beschweren. Hier handelt es sich meist um Tippfehler oder sonstige Übertragungsfehler4. Falls der Fehler sich nicht beheben lässt, nimmt man telefonisch Kontakt auf. Falls auch per Telefon niemand erreichbar ist, kann man immer noch davon ausgehen, dass der Termin aus der Wahlzeitung bekannt ist, und die fehlerhaften E-Mail-Adressen herausnehmen. Gleiches gilt für die unvermeidbaren Bounce-Nachrichten anderer Mailserver nach dem Versand: Fehlersuche, Telefonistinnendasein und Nachversand sind angesagt.

Die konstituierende Sitzung

Für Durchführung einer SP-Sitzung wird Tontechnik benötigt. Diese funktioniert „noch gerade so“ und lagert im Referat für Hochschulpolitik des AStA. Das Geschäftszimmer hilft wie immer gerne weiter. Mit dem Aufbau der Technik sollte etwa eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn begonnen werden.

Bis zur Wahl einer 1. Sprecherin leitet die Wahlleiterin die Sitzung. Da man als Präsidium aber üblicherweise zu dritt ist5, empfiehlt es sich, zwei weitere Wahlausschussmitglieder daneben zu setzen, die die beispielsweise die Redeliste führen bis die 2. Sprecherin gewählt ist und Protokoll schreiben bis eine Protokollantin gewählt wurde. Es gibt übrigens das hartnäckige Gerücht, dass das Protokoll andernfalls vom ältesten SP-Mitglied geführt werden müsste, aber hierfür gibt es keinen textuellen Beleg in den einschlägigen Rechtsvorschriften. Mit der Übernahme der Protokollierung ist euch der ewige Dank des neu gewählten Studierendenparlamentes sicher.

Die Sitzung wird von der Wahlleiterin eröffnet („Hi.“). Dann wird durch Aufruf der gewählten Personen die Anwesenheit festgestellt und abgeprüft, wer das Mandat annimmt. Das Mandat kann nur persönlich6 abgelehnt werden, Zwischenrufe à la „Der tritt zurück!“ zählen nicht. Verzichtet jemand auf das Mandat, rückt direkt die nächste Person nach.

Sind hinreichend gewählte Mitglieder anwesend, ist die Sitzung beschlussfähig, und es geht weiter in der Tagesordnung.

Die konstituierende Sitzung ist auch die perfekte Gelegenheit, den Bericht über die Wahl gemäß § 20 WOSP vorzustellen. Der sollte also bis dahin fertig sein. Inhaltlich kann man sich dabei am Bericht des Vorjahres orientieren. (Warum dieses Protokoll verlangt wird? Keine Ahnung.)

Ist das neue Präsidium gewählt, so ist die Wahl erst einmal abgeschlossen. Fertig! Also fast.

Geld

Das Finanzreferat des AStA erhält für den Auszählabend die Liste der Auszählhilfen, Ältestenrats- und Wahlausschussmitglieder mit Namen, Kontodaten und Überweisungsbeträgen. Enthält diese Liste auch noch die Uhrzeit, bis zu der jede Person eingesetzt war, freut sich das Finanzreferat ganz besonders, da der Überweisungsbetrag dadurch nachvollziehbar wird.

Die Wahlhelfenden werden übrigens durch die Universität bezahlt, welche dem AStA über den halben Betrag eine Rechnung stellt. Diese Rechnung wird üblicherweise auch durch die Wahlleitung geprüft und gegengezeichnet.

Das führt oft dazu, dass zwei Überweisungen auf dem Konto landen: Eine von der Uni für den Einsatz als Wahlhilfe, und eine vom AStA für den Einsatz als Auszählhilfe.

Sind sonst noch offene Rechnungen ausstehend? Dann sollten die zuerst abgearbeitet werden.

Schließlich wird dem Finanzreferat eine Liste der Wahlausschussmitglieder mit Namen, Kontodaten, Überweisungsbeträgen und übernommenen Aufgaben7 übergeben. Und wenn man Glück hat, landet bald Geld auf dem Konto.

Schlüssel & Co.

All das Zubehör, das den Wahlausschuss arbeitsfähig gemacht hat, wird wieder an seine Ursprungsorte zurückgebracht. Meist ist dies der AStA, aber auch das Studierendenwerk möchte vermutlich seine Transponder wiederhaben. Für viele Schlüssel gibt es auch eine Kaution zurück, das Ganze lohnt sich also auch finanziell.

Am wichtigsten ist jedoch, dass man auch menschlich wächst.

Gut, oft entwickelt man in den ca. drei Monaten Wahlausschuss lediglich negative Gefühle gegenüber Akteurinnen und Akteuren der Hochschulpolitik.

Die kann man bestimmt auch mal gut gebrauchen.

#ISurvivedWahlausschuss20xx

  1. Die Auszählung startet ja am Donnerstagabend. Wer geschickt ist, zögert das Ende der Auszählung also bis nach 0:00 Uhr raus, um mehr Zeit zu haben. Nicht, dass das jemals ein Problem gewesen wäre…
  2. Wird auf der Sitzung noch ein Sitz ausgelost, empfiehlt es sich, zwei Versionen des Dokuments vorzubereiten…
  3. Die sind hoffentlich noch irgendwo digital auffindbar? Ansonsten happy typing.
  4. Die Kandidierenden schreiben so unleserlich!
  5. Eigentlich ist man ja zu viert, aber hahahahaha!
  6. Per E-Mail wird üblicherweise auch akzeptiert. Die sollte aber von der in der Kandidatur angegebenen E-Mail-Adresse kommen, sonst könnte ja jeder…
  7. Falls der Wahlausschuss beschlossen hat, die Aufwandsentschädigung nach Arbeitszeit aufzuteilen, tun es hier auch Kopien der Stundenzettel.
DkW | Kapitel 1: Kräfte sammeln

DkW | Kapitel 11: Die Auszählung

Sven Zemanek hat an der Uni Bonn fünf Jahre lang Wahlen zum Studierendenparlament organisiert. Damit nachfolgende Generationen von dieser Erfahrung profitieren können, entsteht die Artikelserie „Die kleine Wahlleiter“.

Die Wahlauszählung ist eine nichtdeterministische Funktion, die eine Menge versiegelter Urnen in die Zahlen für ein vorläufiges1 amtliches Endergebnis überführt.

Warum nichtdeterministisch? Nun, die Auszählung wird von Menschen durchgeführt, und Menschen machen Fehler. Bei der Auszählung ist es wichtig, diese Fehler zu entdecken und zu korrigieren.

Zum Glück gibt es die elektronische Datenverarbeitung, die einen Großteil der Fehlersuche übernehmen kann. Anschaulich erklärt:

Angenommen, für eine Menge an Urnen gebe es genau ein korrektes Ergebnis2. Dann existieren neben diesem korrekten Ergebnis viele weitere inkorrekte mögliche Ergebnisse. Von diesen sind einige wahrscheinlicher als andere. Dass sich Auszählhilfen mal um eine Stimme verzählen ist zum Beispiel wahrscheinlicher, als dass alle Stimmen einer Urne aus Versehen als Enthaltung gewertet werden.

Das Ganze kann man sich grob als Wahrscheinlichkeitsverteilung vorstellen:

DkW | Kapitel 11: Die Auszählung

Sieh doch nur Mutti, eine Schlange die einen Elefanten gefressen hat!

Bei den vorstellbaren inkorrekten Ergebnissen sind nun viele dabei, bei denen die Zahlen hinten und vorne nicht passen. Fehler beim Zählen, beim Hören oder beim Zahlen abtippen führen gern zu falschen Listen- oder Gesamtsummen. Die kann ein spezielles Computerprogramm („Auszählsoftware“) erkennen und dann Alarm schlagen. Damit sind die meisten inkorrekten Ergebnisse schon einmal verhindert, und es verbleiben nur Ergebnisse, die in sich konsistent sind.

DkW | Kapitel 11: Die Auszählung

Ein Zaubertrick: Der Elefant ist verschwunden! Und mit ihm die meisten falschen Ergebnisse.

Die Auszählsoftware kann ein konsistentes inkorrektes Ergebnis leider nicht vom korrekten Ergebnis unterscheiden. Deshalb muss die Wahrscheinlichkeit für ein falsches Ergebnis so weit wie möglich nach unten gedrückt werden.

DkW | Kapitel 11: Die Auszählung

Abbildung ähnlich.

Wie? Durch ganz langweilige organisatorische Maßnahmen während der Auszählung.

Eine Auszählung organisieren

Man nehme:

  • Verpflegung für die Auszählhilfen und den Wahlausschuss
  • Auszähltische3
  • In Auszählteams eingeteilte Auszählhilfen, ca. ein Team pro Tisch, eine Tischleitung4 pro Team
  • Zwei Auszählcomputer, mit Auszählsoftware bestückt
  • Viele instruierte Wahlausschussmitglieder
  • Werkzeug (zum Öffnen der Urnen und zu ihrer Reinigung, Taschenrechner, Stifte, Schmierpapier)
  • Mit Stimmzetteln gefüllte Urnen, idealerweise von dieser Wahl
  • Auszählbögen5
  • Optional: Irgendwas zur Bekanntgabe vorläufiger Auszählergebnisse

Zunächst sollte man die Auszählhilfen an die Verpflegung lassen. Oft kommen sie direkt von ihrem Einsatz an der Urne, und hungrig zählt es sich schlecht.

Hernach geht es an die Öffnung und Zählung der Urnen. Die Auszählteams sitzen an ihren Tischen und bekommen von Wahlausschussmitgliedern nach und nach Urnen gebracht, geöffnet und geleert. Die Öffnung wird natürlich im Urnenbuch notiert und unterschrieben.

Der Stimmzettelhaufen wird zunächst grob nach Listen sortiert. Stimmzettel, die nicht standardkonform sind (z.B. mehrere Markierungen, ungültige Stimmen oder Enthaltungen) landen auf einem extra Stapel.

Dann werden die Listenstapel nach Kandidierenden sortiert. Währenddessen gehen zwei Wahlausschussmitglieder den Sonderstapel durch und entscheiden für jeden Stimmzettel im Stapel, ob es sich um eine Enthaltung, eine ungültige Stimme oder eine gültige Stimme (und für wen/welche Liste) handelt. Sind die beiden Wahlausschussmitglieder sich uneinig, darf der gesamte Wahlausschuss abstimmen und entscheiden. Die Entscheidung wird auf der Rückseite des Stimmzettels vermerkt und von beiden unterschrieben, dann werden die Stimmzettel des Sonderstapels in die übrigen Zettel einsortiert.

Erst jetzt wird überhaupt angefangen, etwas zu zählen.

Gezählt werden zunächst die Gesamtstimmzahlen für die Listen, dann die Stimmen für die Kandidaturen, die Listenstimmen, die Enthaltungen und die ungültigen Stimmen. Bevor etwas im Auszählbogen eingetragen wird, muss es zweimal von verschiedenen Personen gezählt werden (mit dem selben Ergebnis natürlich). Die Gesamtstimmzahl wird dann mit einem Taschenrechner aufsummiert (auch das doppelt prüfen!) und eingetragen. Man könnte auch die Gesamtzahl zählen lassen, aber das dauert erfahrungsgemäß sehr lange und ist sehr fehleranfällig.

Die ausgezählten Stimmzettel werden zu einem handlichen Paket gepackt und zu den Auszählrechnern gebracht, wo das Ergebnis von einem Wahlausschussmitglied und einer weiteren Auszählhilfe vom Auszählbogen in die Auszählsoftware übertragen wird. Stellt die Auszählsoftware hier einen Fehler fest, lässt der sich entweder direkt beheben, oder das Paket geht zur erneuten Auszählung zurück an einen anderen Tisch. Wichtig: Korrekturen des Auszählbogens erfolgen nur in Verbindung mit erneutem Nachzählen!

Nun steht oben etwas von zwei Auszählcomputern. Das hat einen Grund: Bislang haben wir noch nichts gegen falsche,  aber konsistente Ergebnisse unternommen.

Wie entstehen falsche konsistente Ergebnisse?

Wenn wir wissen, was schief gehen kann, können wir im nächsten Schritt überlegen, wie wir diese  Probleme behandeln. In den vergangenen Jahren sind die folgenden Fehler aufgetreten:

Problem: Die Stimmen für eine Kandidatur werden bei der falschen Person eingetragen
Potenziell Auswirkung auf: Platzierung beider Kandidaturen
Bewertung: Sucks to be you.

Problem: Ein Stimmzettel wird übersehen, weil er sich geschickt im Haufen versteckt oder an einem anderen klebt
Potenziell Auswirkung auf: Gesamtstimmzahl, Listenstimmzahl/Enthaltungen/Ungültige, Platzierung der Kandidatur, Sitzverteilung
Bewertung: Unschön bis OMG ALLES IST JETZT ANDERS.

Problem: Ein Kreuz wird übersehen und der Stimmzettel wird deshalb aus versehen als Enthaltung gewertet / nicht als ungültig gewertet / …
Potenziell Auswirkung auf: Listenstimmzahl/Enthaltungen/Ungültige, Platzierung der Kandidatur, Sitzverteilung
Bewertung: Unschön bis OMG ALLES IST JETZT ANDERS.

All dies ist mindestens unschön, führt aber in ungünstigen Fällen zu einer fehlerhaften Besetzung des neuen Studierendenparlaments.

An Wahrscheinlichkeiten schrauben

Die Auszählung wird so organisiert, dass die Stimmzettel jeder Urne zweimal gezählt werden, und zwar von verschiedenen Auszählteams. Diese beiden Ergebnisse werden von verschiedenen Personen an jeweils einem Computer in die Auszählsoftware eingetippt. Als Resultat erhält man zwei voneinander unabhängige Auszählergebnisse auf zwei Computern.

Diese beiden Ergebnisse werden verglichen, und bei Unstimmigkeiten werden, ggf. auch durch erneute Auszählung, die korrekten Werte ermittelt. Damit es ein Fehler von oben in das Endergebnis schafft, müsste also der selbe Fehler in beiden voneinander unabhängigen Auszählungen vorhanden sein.

Um diese Wahrscheinlichkeit möglichst gering zu halten, ist es besonders wichtig, dass bei der zweiten Auszählung von Stimmzetteln die Sortierung aus dem ersten Lauf genau überprüft wird. Nur so können übersehene Stimmen oder fehlerhafte Zuordnungen entdeckt werden. Daher sollte man den Auszählhilfen besser doppelt und dreifach erklären, dass sie in der zweiten Runde nicht einfach nur nachzählen, sondern neu auszählen müssen.

Wir halten fest: Nachdem ein Stimmzettelpaket in einen Auszählrechner eingetippt wurde, geht es mit neuem Auszählbogen an einen neuen Auszähltisch. Hat der ein Ergebnis festgestellt, so wird dieses im anderen Auszählrechner eingetragen.

Tipp: Nutzt zwei verschiedene Farben für die Auszählbögen, zum Beispiel hellgelb und hellrosa6. Ein Auszählrechner tippt nur hellrosa Bögen ab, der andere nur hellgelbe Bögen. Damit beide immer etwas zu tun haben, bekommet in der ersten Auszählrunde die Hälfte der Urnen hellgelbe Auszählbögen und die andere Hälfte hellrosa Auszählbögen. Für die zweite Auszählrunde wird dann getauscht. So erhält man zwei zeitlich verschränkte, aber inhaltlich unabhängige Auszählungen. Genial!

DkW | Kapitel 11: Die Auszählung

Sieht einfach aus, oder?

Aufräumen

Nachdem alle Urnen zweimal ausgezählt wurden, benötigt man eigentlich keine Auszählhilfen mehr. Ein (sich freiwillig meldendes) Auszählteam sollte man noch da behalten, falls ein Auszählrechner sich beschwert und eine Nachzählung fordert. Die übrigen Auszählhilfen können derweil schon einmal den Auszählraum soweit möglich aufräumen und danach nach Hause gehen. Hier empfiehlt es sich für den Wahlausschuss, die magische Ein-Uhr-Grenze zu beachten, ab der jede Auszählhilfe die länger da bleibt extra kostet.

Stimmen die Ergebnisse in beiden Auszählrechnern endlich überein, so hat man das offizielle Ergebnis der Auszählfunktion. Hoffen wir, dass es das korrekte Ergebnis ist.

Die Stimmzettelpakete werden zuletzt mitsamt ihren Auszählbögen und Urnenbüchern im Wahlschrank im AStA eingelagert und der Schrank versiegelt.

Anhang

Merkblatt zur Auszählung, zur Auslage auf den Auszähltischen
Merkblatt zur erneuten Auszählung, zur Auslage auf den Auszähltischen

  1. Warum „vorläufig“? Erstens hieß das schon immer so, und zweitens könnte man behaupten, dass das endgültige amtliche Endergebnis erst nach ggf. erfolgten Korrekturen nach der Wahlprüfung feststeht.
  2. Da es einen Interpretationsspielraum bezüglich der Ungültigkeit von Stimmzetteln gibt, existieren unter Umständen mehrere rechtlich zulässige korrekte Ergebnisse.
  3. Ein „Auszähltisch“ kann auch aus mehreren zusammengestellten Tischen bestehen
  4. Chefin des Auszählteams, leitet dessen Arbeit. Kleine Teams! Voll agil!
  5. Ein Auszählbogen ist in der Regel ein Stimmzettel, bei dem die Ankreuzfelder durch Felder für die Eintragung von Stimmzahlen ersetzt wurden. Außerdem enthält er weitere Felder (Listengesamtstimmzahlen, Ungültig/Enthaltung, Urnennummer+Name, Unterschriftsfeld
  6. Haben wir schon immer so gemacht.