Wahlzeit ist Bastelzeit

Wahlzeit ist Bastelzeit

Wenn am nächsten Sonntag OB-Wahl in Bonn wäre, für wen würden Sie Ihre Stimme abgeben?

Um diese (extrem hypothetische) Frage etwas leichter beantworte zu können, gibt es seit kurzem auch eine Bonner Variante des Wahl-O-Mat, den „Bonn-O-Mat“, erreichbar unter www.bonn-o-mat.de. 1

Vier der sechs Kandidierenden haben bislang teilgenommen (und seien wir mal ehrlich, wer es nicht einmal fertig bringt, ein paar Bonn-O-Mat-Fragen zu beantworten, soll es dann schaffen, eine ganze Stadt zu verwalten? Haha!).

In vielen Punkten herrscht offenbar eine große Einigkeit, denn die vier Kandidierenden haben ganze 25 der 40 Thesen gleich beantwortet. Die Punktzahlen am Ende sind sich daher meist auch sehr ähnlich.

Ich habe nun die 15 Thesen gekommen, in denen die Kandidierenden nicht alle die selbe Antwort gegeben haben, sie in meinen Mahlowat geworfen und die Kandidierenden miteinander verglichen. Die resultierenden Punktzahlen sollten ein Indiz dafür sein, wie nahe sich die Kandidierenden inhaltich stehen. Tabelle!

Skala von 0 - Rot bis 30 - Grün

Skala von 0 – Rot bis 30 – Grün

Wie wir sehen, scheinen sich die Kandidierenden von SPD, Grüne und Die PARTEI inhaltlich näher zu sein als dem CDU-Kandidaten. Das überrascht ein wenig, sind doch CDU und Grüne Teil der aktuellen Koalition im Bonner Stadtrat.

Da wir nur 4 Kandidierende betrachten, können wir das Ganze außerdem noch etwas plastischer darstellen, indem wir einen Tetraeder basteln, dessen Seitenlängen proportional zur Punktzahl sind – je mehr Punkte, desto näher stehen sich die Kandidierenden, und desto kürzer die Seite2. Das ist sogar noch etwas einfacher als damals bei der SP-Wahl, wo wir es mit 5 Listen zu tun hatten.

obwahlbonn-basteleiv2

Zum Download der PDF-Vorlage auf das Bild klicken

Ausgeschnitten und zusammengeklebt sieht das Objekt dann folgendermaßen aus:

aufgebaut

Pro-Tipp für noch unentschlossene: Der Tetraeder lässt sich auch als W43 verwenden. Fans der CDU sollten von dieser Verwendung allerdings eher absehen…

  1. Mit dem habe ich ausnahmsweise mal nichts zu tun.
  2. Um genau zu sein: 30 – Punktzahl. Sicher nicht die perfekte Formel, aber mei.
  3. Vierseitiger Würfel, bei dem die „Zahl“ gewürfelt ist, die auf der oben liegenden Spitze steht

In der Mache: Mahlowat V2

Im letzten Jahr gab es zur Studierendenparlamentswahl an der Uni Bonn erstmals den sogenannten „Wahl-O-Man“, der ein lokaler Wahl-O-Mat-Klon ist. Dieses Angebot des formidablen studentischen Magazins akut habe damals ich implementiert.

Auch in diesem Jahr wird die akut wieder einen Wahl-O-Man anbieten. Bereits jetzt möchte ich eine bestimmte Hochschulgruppe darauf hinweisen, dass ich lediglich für die technische Umsetzung des Wahl-O-Man verantwortlich bin, inhaltlich jedoch gar nichts damit zu tun habe 😉

Für dieses Jahr bin ich dabei, den „Mahlowat“, wie ich die zugrunde liegende Anwendung benannt habe, einmal komplett zu überarbeiten. Größte Neuerung wird sein, dass die zur Wahl antretenden Listen ihre Antworten nun direkt in ein Webformular eintragen dürfen – die manuelle Übertragung der Antworten aus diversen Textdokumenten in den Wahl-O-Man war im letzten Jahr das Nervigste an der ganzen Aktion.

Außerdem wurde durch ein wenig JavaScript-Hexerei umgesetzt, dass nicht mehr jede zu beantwortende These einzeln vom Server geladen werden muss, sondern alles auf einer einzelnen Seite geschieht. Die Anwendung sollte dadurch erheblich schneller sein und deutlich weniger Frustpotenzial bieten. Dennoch kann per Sprungmarke1 immer noch direkt auf einzelne Thesen verlinkt werden.

Eine große Neuerung gibt es noch beim Teilen des Wahl-O-Man-Ergebnisses: Es ist jetzt möglich, nur das Balkendiagramm in sozialen Medien zu teilen, ohne dabei direkt die eigenen Antworten zu den Thesen zu verraten. Hierzu wird das persönliche Ergebnis auf dem Server gespeichert und anhand einer eindeutigen ID identifiziert. Die geteilte Ergebnisseite enthält keine Hinweise mehr auf die gegebenen Antworten. In bestimmten Fällen ist es allerdings trotzdem möglich, aus der Übereinstimmung mit den einzelnen Listen die gegebenen Antworten zu berechnen.

Sind Sie sicher? Der Mahlowat fragt nach.

„Sind Sie sicher?“ Der Mahlowat fragt nach.

Wer nicht möchte, dass seine/ihre Antworten gespeichert werden, hat nach der Bewertung aller Thesen die Möglichkeit, auf die Speicherung zu verzichten. Dann gibt es allerdings auch keine Möglichkeit, das eigene Ergebnis auf die oben beschriebene Weise zu teilen, sondern der Share-Link enthält wie bislang die eigenen Antworten in kodierter Form.

Damit nicht etwa die Server-Logs über URL-Parameter die gewählten Antworten verraten, wurde auch die Navigation komplett überarbeitet. Das hat die folgende, lustige Konstruktion zur Übergabe von Daten zum Ergebnis:

Beim Klick auf einen Link zu einer Spezialseite wird per JavaScript ein Formular in die Seite eingefügt, das als Felder die zu übertragenden Werte enthält und als action die Zielseite. Dieses Formular wird dann sofort abgesendet und die Zielseite erhält die gewünschten Werte. Da die Werte nur als POST-Parameter hin- und hergeschickt werden, tauchen sie in der Zugriffslogdatei eines handelsüblichen Apache-Servers nicht auf.

Wird also auswählt, dass die Ergebnisse nicht gespeichert werden sollen, dann werden sie auch nicht irgendwo gespeichert.

Sobald der Mahlowat fertig überarbeitet ist, wird er wieder auf GitHub zur Verfügung gestellt.

  1. Dat is dat Dingen mit dem #

Wie rechnet der Wahl-O-Mat?

Vor den letzten Wahlen war der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) immer ein nettes Spielzeug. Was mich aber schon immer gestört hat: Nirgends lässt sich die Information finden, nach welchem System der Wahl-O-Mat die Ähnlichkeitsberechnung vornimmt. Nur bei den angezeigten Balkendiagrammen findet sich in Form eines Tooltips ein Hinweis darauf, dass das alles irgendwie auf einem Punktesystem basiert.

Durch hartnäckiges Reverse-Engineering kann ich nun hier the one and only Punktesystem des Wahl-O-Mat der bpb präsentieren:

Die Antworten der Testperson (das bist du) werden mit den vorgegebenen Antworten der Parteien abgeglichen.

  • Stimmt die Antwort überein, werden der Partei 2 Punkte gutgeschrieben;
  • Weicht die Antwort leicht ab (Zustimmung/Neutral oder Neutral/Ablehnung), wird der Partei 1 Punkt gutgeschrieben;
  • Sind die Antworten entgegengesetzt, gibt es keine Punkte für die Partei;
  • (Vermutung, da Situation sehr unwahrscheinlich:) Hat eine Partei eine Frage nicht beantwortet, gibt es ebenfalls keinen Punkt.

Eine Frage, die die Testperson übersprungen hat, wird nicht gewertet. Entsprechend gibt es dann insgesamt weniger Punkte zu erreichen.

Eine Frage, die doppelt gewichtet werden soll, wird doppelt gewichtet, das heißt, für sie wird die doppelte Punktzahl gutgeschrieben (0/2/4). Entsprechend gibt es insgesamt mehr Punkte zu erreichen.

Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt, und darf in der Übersicht ganz links stehen.

So einfach ist das. Hätte man auch selber draufkommen können.