Nennen Sie ein Erotikmagazin

Der Playboy, das lernt man schon ganz früh, ist das Erotikmagazin, das ausschließlich wegen seiner exzellenten Artikel gelesen wird.

Ich hatte bislang lediglich einen einzigen Playboy-Artikel gelesen, das war allerdings online, also ohne das ganze bedruckte Papier drumherum.

Als ich nun in den letzten Tagen eine (deutsche) Ausgabe dieses Magazins in die Hände bekam, wollte ich diesem Mythos auf den Grund gehen. Ein anderer Aspekt fiel mir jedoch so stark negativ auf, dass ich praktisch noch gar nicht dazu gekommen bin, die Artikel selbst zu lesen: Beim Durchblättern besteht der Playboy gefühlt zur Hälfte aus Werbung.

Nun könnte man diesem Gefühl auf den Grund gehen und das Ganze quantifizieren. Das ist aber sehr mühselig.

Genau das habe ich getan.

Das Cover des untersuchten Magazins. Da um diese Uhrzeit noch Kinder wach sind, gibt es hier nur die Version ohne Nippel.

Das Cover des untersuchten Magazins. Da um diese Uhrzeit noch Kinder wach sind, gibt es hier nur die verwackelte Version ohne Nippel.

Ich habe für alle 196 Seiten inklusive Ausklappmotiven geprüft, ob es sich um redaktionellen Inhalt1 oder um Anzeigen2 handelt.

Dann habe ich das grafisch dargestellt. Das sieht dann in etwa so aus (PDF):

playboy-werbeflaechen

(Zum Vergrößern anklicken)

Dieser Playboy besteht also nicht zur Hälfte aus Anzeigen, sondern „nur“ zu fast 30 %. Ein Gutschein und ein „Feuchtigkeits-Fluid“-Pröbchen sind auch eingeklebt.

Verstärkt wird der Eindruck, dass sehr viel Werbung enthalten ist, sicherlich dadurch, dass viele Anzeigen auf der (i.d.R. teureren) rechten Seite platziert sind, wo sie mehr Aufmerksamkeit abbekommen als auf der linken Seite.

Doch ist das ein „normales“ Verhältnis von Anzeigen zu Inhalt? Als Vergleich zum 5,90 € teuren Playboy ziehe ich halbwegs blindlings aus dem Regal eine Ausgabe der GeoLINO aus dem April 2004 für damals 3 € (heute 3,80 €) und eine Ausgabe der c’t (auch so ein „Männermagazin“) vom 25.05.2010 für damals 3,70 € (heute 4,20 €).

Dort zähle ich ebenfalls nach. Das Ergebnis:

Magazin # Seiten davon Anzeigen Anzeigenanteil
Playboy 196 57⅔ 29,4 %
c’t 228 61¾ 27,1 %
GeoLINO 76 8⅚ 11,6 %

Der Playboy hat, verglichen mit der c’t von 2010, nur einen leicht höheren Anzeigenanteil. Während bei der c’t die Anzeigen klar vom redaktionellen Inhalt unterscheidbar sind, musste ich aber beim Playboy schon bei einigen Seiten etwas länger überlegen. Die fast 11 Jahre alte GeoLINO besteht hingegen nicht einmal aus halb so viel Werbung. Da sie Kinder zur Zielgruppe hat, gelten sicherlich auch andere Bestimmungen.

  1. das beinhaltet auch verdächtig nach Product Placement duftende „Artikel“
  2. i.d.R. sind diese mit dem Wort „Anzeige“ gekennzeichnet

4 thoughts on “Nennen Sie ein Erotikmagazin

  1. Im Kern ist das Verhältnis bei vielen Zeitungen ähnlich.
    Aber wenn du mal beim Zählen verzweifeln willst: Schau dir mal Frauen(Mode)zeitungen an. Dort liegt der Anzeigenanteil deutlich höher – und meist ist die Unterscheidung noch schwieriger.

    Man muss aber auch wissen, dass sich Magazine und vor allem Zeitungen einzig durch die Werbung finanzieren, der Verkaufspreis reicht meist nur für die Herstellung des Printprodukts und Lieferung.

    Die spannende Fragen ist: Würden wir auch 30 Prozent Werbung hinnehmen, die unseren Lesefluss bei Onlineartikeln unterbrechen? Die ersten Umsetzungen dazu gibt es bereits.

  2. sagt

    Unterhaltsamer Artikel, der für einige Schmunzler gesorgt hat. Aus Neugier: Womit wurde die Grafik erstellt und wozu die gelbe Markierung bei den Fotostrecken?

    • Sven sagt

      Die Grafik habe ich mit Inkscape in mühseliger Kleinarbeit erstellt. Die Fotostrecken sind markiert, weil sie sich vom sonstigen redaktionellen Inhalt dadurch abheben, dass sie vor allem aus, nun ja, Fotos bestehen. Und vermutlich auch einer der Hauptkaufanreize sind.

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